Tieropfer

Aus Liber Paganum
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Historisches

Sehr häufig wurden bei Ausgrabungen von Kultanlagen Überreste von Tierknochenopfern gefunden, die auf eine rituelle Zerstückelung der Tiere schließen lassen. Diese seit der Steinzeit bekannten Bräuche wurden noch bis vor kurzem von nordeurasischen Jägervölkern durchgeführt. Auch aus dem antiken Griechenland sind ähnliche Opferriten bekannt, genau wie aus anderen orientalischen Kulturen; im Judaismus wurden bis zur Diaspora in der Römerzeit Tieropfer durchgeführt, was sowohl im Alten wie im Neuen Testament ausführlich beschrieben wird.

Aus Überlieferungen der Edda (Thor erschlägt einen seiner Böcke mit dem Hammer, Knochen und Fell des Bocks werden zusammengebracht und am nächsten Morgen wieder zum Leben erweckt. Sährimnir wird jeden Abend in Wallhall geschlachtet und am nächsten Morgen wiedererweckt) und der nordeurasischen Jägervölker ergibt sich bei diesem Ritus folgende schamanistische Glaubensvorstellung:

Das Tier wird geopfert, bestimmte Knochen, zum Teil Innereien, Fell und Schädel werden zusammengehalten, damit das Tier wiedergeboren werden kann und so erneut der Gruppe als Nahrung zur Verfügung steht.

In einigen indoeuropäischen Kultgruppen vollzieht ein Kind (als Synonym für Reinheit) die Opferung des Tiers in Anwesenheit des Kultleiters. Die Opferung selbst gilt als Höhepunkt der Kulthandlung, bei der sich eine "Verschmelzung" der Gottheit mit dem Opfer (hier die Funktion als Verbindung) und der Gemeinde ergibt. Um diese Verschmelzung zu verstärken, wird die Kultgemeinschaft mit dem Blut des Opfertieres besprenkelt.

Tieropfer heute

Es gibt mehrere gute Gründe, heute keine Tieropfer mehr durchzuführen: Der erste und wichtigste ist, daß heute kaum noch jemand in der Lage ist, ein Tier fachgerecht zu töten und zu schlachten. Denn das Tier soll schließlich nicht mehr als unvermeidbar leiden und das Fleisch soll im Anschluß immer noch ein Opfermahl hergeben. Um letzteres zu gewährleisten, ist es unerläßlich, das Ausweiden einem Fachmann (oder selbstverständlich auch einer Fachfrau) zu überlassen. Ein weiterer Grund ist, daß Tieropfer in den meisten Gemeinschaften heute keine Akzeptanz erfahren.

Als eine gängige Alternative haben sich so genannte Gebildbrote weitgehend durchgesetzt, also Brote (oder Kuchen) in der Form von Tieren. Das mag in der einfachsten Form mit einer Ausstechform für Plätzchen gemacht werden, darf aber auch, wenn man es kann, eine perfekt modellierte Statue eines Ebers/Rinds/Schafs/usw. sein.