Odin

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altnord. Óðinn, auch Odhinn, Odhin bzw. Ođin; angels. Wōden, altsächs Woden, altfränk. Wodan, althochdt. Wutan, Wuotan, südgermanisch Wodin auch Wode oder Wod. Wotan = ahd. "der Wütende".

Odin ist einer der Hauptgötter germanischen Mythologie; eine der vielleicht vielschichtigsten Göttergestalten. Er ist der Göttervater der Asen (Aesir) und gilt, zumindest in der Wikingerzeit, als der höchste nordische bzw. germanische Gott.

Aufgaben

Dichter-, Toten-, Kriegs-, Magie-, Runen- und Extasegott, Schamane und göttlicher Arzt ("Merseburger Zaubersprüche"); Er ist Sturmgott, Schutzgott der Skalden, Gott der Weisheit und des Erntens. Seine Vielseitigkeit wird unter anderem durch seine vielen Beinamen (rd. 170) in der altnordischen Literatur deutlich.

Familie

Odin ist der Sohn von Boer und Bestla, Bruder von Vili und und Gatte der Frigga, Tochter des Fiörgyn(n).

Mit Frigga ist er Vater von Baldr, Hödur und Hermod, mit Rindr Vater des Vali, mit Jörd Vater des Thor und mit Grid Vater des Vidar. Die Prosa-Edda (Snorri) ordnet Odin auch Bragi, Heimdall, Tyr, Skjold als Söhne zu.

Odin wird bei Snorri auch als Gefährte der Skadi genannt, dieser Verbindung soll Jarl Hakon entstammen. Hierbei handelt es sich aber wahrscheinlich um einen Versuch der Konstruktion einer vorher nicht tradierten göttlichen Abstammung im Mittelalter.

Mythologie

Mythologisch überliefert ist, dass Odin zusammen mit Hönir und Lodur die ersten Menschen Askr (Esche) und Embla (Ulme) aus zwei Stücken Treibholz schuf. Odin gab dem ersten Menschenpaar die Seele.

In der Völuspa wird das so beschrieben:

17. Gingen da dreie (drei Götter) aus dieser Versammlung,
Mächtige, milde Asen zumal,
Fanden am Ufer unmächtig
Ask und Embla und ohne Bestimmung.
18. Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,
Blut gab Lodur und blühende Farbe.


Odin führt die Wilde Jagd an und reitet den achtbeinigen Hengst Sleipnir, "das schnellste Pferd der Welt". Er gab eines seiner Augen, um aus dem Brunnen der Weisheit, Mimirs Brunnen, trinken zu dürfen. Dort bewahrt er auch Mimirs Haupt auf, das ihm die Vanen zugesandt hatten, um sich mit ihm zu beraten. Während des Ragnarök wird er von Fenrir verschlungen werden.

Er tritt gelegentlich in der Gestalt eines Adlers auf, als solcher raubt er auch den Dichtermet von Riesen Suttung(r) und bringt ihn zum Nutzen der Götter und der Menschen nach Asgard.

Odins Palast ist Gladsheim (leuchtendes Heim) in Asgard. Dort sitzt er im Hochsitz Hlidskialf (d.i. nach anderen Quellen seine Halle), von dem aus er die ganze Welt überblicken kann, und schart in Walhall (die Halle der Gefallenen) die gefallenen Krieger, die Einherier, um sich. Auf seinen Schultern sitzen seine Raben namens Hugin ("Gedanke") und Munin ("Erinnerung"), die Odin als Boten und Späher dienen, zu seinen Füßen liegen die Wölfe Geri (der Gierige) und Freki (der Gefräßige) an die Odin sein Mahl verfüttert, er selbst lebt nur von Wein oder Met.

Die Walküren (Odins Dienerinnen) holen die tapferen Gefallenen vom Schlachtfeld, führen sie nach Walhall und bewirten sie hier mit Met und dem Fleisch des Ebers Sährimnir. Zu Ragnarök sollen die Einherier dann den Asen gegen die Riesen beistehen.

Da die Walküren Odins Wünsche beherzigen und Odin für Ragnarök möglichst viele Krieger benötigt, wendet er gerne Listen und Verrat an, um gute Kämpfer vorzeitig aus der Welt der Menschen zu übernehmen; daher wird er auch als der Verräter der Krieger betitelt und mit dem Beinamen Balverk ("Trauer-Bereiter") belegt.

Odhin opferte sich sich selbst, indem er sich neun Tage und Nächte an einem Baum aufhing, wodurch er die Runen entdeckte.

Seine Attribute sind der Speer Gungnir, der nie sein Ziel verfehlt und der Ring Draupnir, von dem jede neunte Nacht wieder acht ebeso schwere Ringe abtropfen. Der Speer gehört wie (Schlapp)Hut, Mantel und die Einäugigkeit zu den stereotypen Darstellungsmerkmalen von Odin.

Feiern

Das Julfest ist u. a. auch Odin gewidmet.

Beschreibung eines Festes zu Ehren von Odin:
"Colnban fand um 600 n.u.Z. die Alamannen zu einer Wotansfeier um ein großes Bierfaß versammelt"

Hieraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen:

  • Hiermit liegt ein schriftlicher Beweis vor, und daraus eine genauere Datierung, dass im 7. Jahrhundert ein Teil der Germanen schon Wodan verehrte.
  • Im 7. Jahrhundert waren noch nicht alle Alamannen zum Christentum bekehrt.
  • Das Bierfass ist offensichtlich Teil des Ablaufs der kultischen Handlung.
  • Das Bier selbst kann nach dieser Quelle sowie aus anderen Überlieferungen dem Gott Wodan als Opfergabe zugeschrieben werden.

Schlußfolgerung:
Das oben genannten Zitat erhellt vier wichtige zusammenhängende Aspekte der damaligen Riten.

Dazu haben wir hier einen schriftlichen Beweis, dass mindestens ein Teil der Germanen bei Kultfeiern auch Alkohol zu sich genommen hat, was heutige Gläubige doch teilweise vehement ablehnen.

Historisches

Die Odinsverehrung dürfte ein recht hohes Alter haben. Vieles spricht dafür, daß er mit Tyr eine Doppelspitze bildete, bei der Tyr zuerst der oberste Gott war, dann Odin Tyr übergeordnet wurde und anschließend nur noch die Odinsverehrung übrig blieb.

Teilweise wird auch die Ansicht vertreten, daß sich die Odinsverehrung von Südgermanien kommend in den Norden ausgebreitet hat.

Der Mittwoch (engl. Wednesday, "Wotanstag") ist Odin zugeordnet. Beim Thing und bei Feiern wird Odin durch einen Speer repräsentiert, der innerhalb des Kreises in den Boden gesteckt wird.

Es gibt Hinweise, dass Odin eine vergöttlichte historische Gestalt ist.

Beinamen und Kenninge

Odhin hat viele Namen, möglicherweise über 1000, wenn auch viele davon Kenninge sind, also poetische Umschreibungen. Odinsnamen