Heidentum

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Begriffsklärung

Das Wort "Heide" leitet sich vom germanischen "Haithio" ab, was soviel bedeutet wie "unbestelltes Land" oder "wilde Heide". Als Heiden werden heute ausschließlich Angehörige historisch belegter polytheistischer Religionen (d. h: Religionen, die mehr als nur einen Gott haben) bezeichnet. Im christlichen Sprachgebrauch dagegen nennt man jeden Andersgläubigen (und daher aus christlicher Sicht "falschgläubigen") einen Heiden; er ist i. d. S. unbekehrt.

In der Vergangenheit haben sich verfeindete monotheistische Gruppen oft und gerne gegenseitig als "Heiden" bezeichnet, was aber mehr ein Gebrauch des Worts als Schmähung ist denn eine korrekte Bezeichnung. Das Neuheidentum umfasst auch Religionen jüngerer Herkunft, wie z. B. Wicca.

Grundlegendes

Das Heidentum unterscheidet sich insbesondere von den großen Monotheismen der westlichen Welt durch eine grundlegend andere Auffassung der Idee der Götter. Anders als der judeo-christlich-muslimische Adonai/Yahwe/Allah mit seinem Alleinherrschafts- und Perfektionsanspruch sieht sich der Heide einer Gruppe an Gottheiten gegenüber, die weder alleine herrschen noch perfekt sind. Andererseits haben die Götter durchaus eine Vorbildfunktion; nur ist diese Funktion nicht rein positiv zu begreifen.

Anders als in den monotheistischen Religionen hat der Heide eine Wahl zu treffen, welcher Gottheit er dienen möchte. Diese Wahl kann auf verschiedenen Grundlagen erfolgen, und muss nicht exklusiv sein: Ein Heide kann durchaus ohne Gewissenskonflikt mehreren Göttern dienen. Oft wählt ein Heide eine Gottheit, die für die ihm eigenen Ziele steht oder sie vorantreibt; es gibt aber auch Fälle in denen sich eine Gottheit einen Menschen auswählt.

Das Nachfolgende bezieht sich auf das moderne Heidentum in der heutigen Gesellschaft, nicht so sehr auf das Heidentum wie es im Altertum war. Es wird besonderer Wert auf einen Vergleich mit den monotheistischen Religionen gelegt und nicht in alle Details eingegangen.


Wichtigste Unterschiede zum Monotheismus

  • Der grundlegende Unterschied zu den Monotheismen ist bereits die Tatsache, dass der Heide an meherere Götter glaubt, die mehr oder weniger gleichberechtigt sind. Gleichzeitig üben die heidnischen Glaubenssysteme ein großes Maß an Toleranz gegenüber anderen Glaubenssystemen; letztlich sind die meisten polytheistischen Glaubenssysteme miteinander verwandt.
  • Im germanischen/nordischen Heidentum gibt es keine Priesterklasse; Priester ist das Familienoberhaupt. Es gibt zwar auch geweihte Priester, diese haben aber die Vorgabe, dass sie ihren Lebensunterhalt mit ehrlicher Arbeit verdienen. Davon abgesehen kann jede Person einen Götterdienst (ein Blot, Blåt oder Blót, je nach bevorzugter Schreibweise) abhalten.
  • Es gibt kein zentrales Schriftstück. Es gibt nichts, das man als "heidnische Bibel" bezeichnen könnte. Das Nächste wären die Odhinsbeispiele aus der Älteren Edda, doch ist dieses Werk eindeutig von Menschen für Menschen geschaffen und wurde noch dazu von einem christlichen Mönch niedergeschrieben zum Gebrauch durch Christen. Der Vorteil ist, dass es im Heidentum nicht die im Christentum wie im Judaismus nachgewiesenen groß angelegten Fälschungen der eigenen "heiligen" Schriften geben kann [1].
  • Der Heide schöpft seine Werte aus der Ehrenhaftigkeit und Ethik, nicht aus vorgeschriebenem Schrifttum oder den Meinungen mehr oder weniger qualifizierter Priester.

[1] Deschner, Karlheinz: Kriminalgeschichte des Christentums Bd. III, Rowohlt 1990, ISBN 3-498-01285-1