Gebet

Aus Liber Paganum
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Ein Gebet ist im heidnischen Sinne eine direkte Bitte an einen Gott bzw. eine Göttin.

Anders als im Islam, dem Christentum und dem Judaismus liegt hier aber keine Unterwerfung vor; das Gebet ist weniger ein Zeichen der Unterwerfung, wie bei den Monotheismen gefordert, sondern eben eine Bittrede mit einem bestimmten Ziel.

Es gibt im Heidentum keine vorgeschriebenen Gebete oder Gebetszeiten; entsprechend der Auffassung der Götter wie sie sind ist ein Gebet eine persönliche Bitte. Wie die auszusehen hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer ein tägliches Tischgebet sprechen möchte, soll das tun, wenn es ihm gefällt. Einem alten Preußen folgend gilt der Grundsatz, dass "ein jeder nach seiner Façon selig werden" soll. Das heißt aber auch, dass keiner gezwungen oder auch nur angehalten werden soll, so zu beten wie ein Anderer!

Im privaten Bereich sind natürlich alle Gebete Privatsache. Im Verlauf eines Blót betreffen die Bitt- oder Dankreden jedoch alle Anwesenden. Daher gilt hier eine Grundregel: Es wird immer in der Sprache des Landes geredet. Es ist sicherlich toll, wenn jemand Altnordisch kann. Aber wenn Gamal-norsk nicht die Umgangssprache der Gemeinde ist, dann hat die Sprache dort nichts zu suchen. Wir sind schließlich keine Altkatholiken, die darauf bestehen, dass eine seit 1300 Jahren tote Sprache unbedingt notwendig sei, um eine Religion auszuüben, oder Muslime, die glauben, dass Allah nur mit Leuten redet, die fließend Arabisch können.

Wer beten will, soll beten wie er oder sie möchte. Bitten, danken und/oder opfern. Wer im Blót spricht, spricht für die Versammelten, und sollte sich entsprechend nicht zu viel anmaßen. Und als guter historischer Hinweis sei hier aus dem Havamál zitiert:

144. Weißt du zu ritzen? Weißt du zu erraten?
     Weißt du zu finden? Weißt zu erforschen?
     Weißt du zu bitten? Weißt Opfer zu bieten?
     Weißt du wie man senden, weißt wie man tilgen soll?
145. Besser nicht gebeten, als zu viel geboten:
     Die Gabe will stets Vergeltung.
     Besser nichts gesendet, als zu viel getilgt;
     So ritzt es Thundr zur Richtschnur den Völkern.
     Dahin entwich er, von wannen er ausging.