Disen

Aus Liber Paganum
Wechseln zu: Navigation, Suche

altnord. Dís, pl. Dísir, altschwed. Dis

Disen sind weibliche Naturgottheiten oder auch vergöttlichte Ahninnen der Sippe. Sie verleihen Fruchtbarkeit und gelten als Geburtshelferinnen, Schutz- und Schicksalsgöttinnen. Die Nornen werden mancherorts als Disen bezeichnet, einige Quellen der Eddas lassen die Disen als walkürenartige Totenführerinnen erscheinen. Die Walküren tragen den Beinamen "Herians (Odins) Disen". Auch den Landdísier des isländischen Volksglaubens liegt die Vorstellung der Disen als Seelen verstorbener Frauen (Fylgien) zugrunde und die im ersten der Merseburger Zaubersprüchen genannten Idisi könnten mit den nordischen Disen verwandt sein.


Historie

Dís tritt auch einfach als Bezeichnung für Frau auf, vergleichbar dem möglicherweise verwandten althochdeutschen itis (altsächs. idis, angelsächs. ides) das für Frau, vielleicht aber auch für Göttin gebraucht wurde. Genaue Schlüsse aus Bezeichnungen wie Vanadís für Freya und Öndurdís (Schidise) für Skadi im Vergleich mit dem Kenning Öndurass (Schiase, Schigott) für Uller zu ziehen, ist problematisch, da das dís in diesen Kenningar nicht unbedingt Göttin bedeuten muß, sondern auch auch einfach Frau heißen kann.

Die Opferzeiten geben ebenfalls keine schlüssige Auskunft über die Stellung der Disen, da das Disenopfer in Norwegen zu Winterbeginn, das schwedische Disthing aber für Anfang Februar belegt ist. Teilweise wird als Termin der 25. Januar genannt. Ebenfalls für den Jahresbeginn ist das angelsächsische Fest mōdraniht (Mütternacht) überliefert, das mit dem westgermanischen Matronenkult in Verbindung gebracht wird.


Opferfeste, Feiern

Für Schweden ist ein in Uppsala, Anfang Februar, stattfindendes Thing mit der Bezeichnung Disthing oder Disaþing (Thing zur Zeit des Disenopfers) überliefert. Der Name kommt hier ursprünglich vom Opferfest für die Disen. Snorri Sturluson stellt das Disthing zu den großen Kultfeiern in Uppsala. Er beschreibt in diesem Zusammenhang die Halle der Disen (nord. Dísarsalr), die möglicherweise mit dem großen Tempel in Uppsala identisch war.

Für Norwegen bzw. den westnordischen Bereich ist das Disablót (altnord. Disenopfer) belegt, ein Mitte Oktober stattfindendes Fest, das mit einem Gastmahl verbunden war. Nach dem norwegischen Runenkalender fand am 14. Oktober der Winteranfang und Jahreswechsel statt, der vom Disenopfer zu den Winternächten begleitet wurde. Auch isländische Quellen berichten von einem Herbstopfer zu diesem Termin. Es dürfte sich um ein Fest mit erntedankähnlichem Charakter gehandelt haben.


Historisches

Viele Ortsnamen in Schweden und Norwegen weisen auf das hohe Alter des Disenkults hin.


Weblinks