Bragi

Aus Liber Paganum
Wechseln zu: Navigation, Suche

nord. Bragr = "der Vornehmste", auch in der Bedeutung "Häuptling" oder "Fürst". Gott der Dichtkunst und der Kunst des Redens, der Bewahrer des Dichtermets, den Odin von Suttung gestohlen hatte. Gatte der Iduna. Bragi ist bei Egill Skallagrímson auch ein Name für Odin.


Mythologie

Bragi gibt nur sparsam vom Met, trinkt ihn aber selbst gerne und oft, so dass seine Worte immer weise und schön sind. Er ist daher für seine Weisheit berühmt, besonders aber für seine Redegewandtheit und seine Wortkunst. Begleitet von Hermodhe (Hermódr) begrüßt er alle, die in Walhel eintreffen. In seine Zunge sind Runen als Symbol für die Beherrschung der Dichtkunst eingraviert und er gilt der Erfinder der Sprache. Nach ihm ist die Poesie Bragr genannt.


Historisches

Ein Eid, der auf den Becher Bragis (das Bragafull oder bragarfull, altnord. etwa "der Häuptlingsbecher") gesprochen wurde, wurde immer eingehalten. Ein Fürst, der nach dem Tod seines Vorgängers die Regierung übernahm, musste vor der Thronbesteigung warten bis die Priester ihm das Bragafull brachten; er musste dann einen Eid bezüglich seiner Regentschaft sprechen und den Becher in einem Zug leeren.

Nach Snorri ist das Bragafull der Becher (oder das Trinkhorn), der beim Opfer- oder Festmahl nach den Bechern auf die Götter getrunken wurde, bevor man das minni, den Becher auf die Verstorbenen, trank. Es ist nicht klar ob es sich hierbei um einen Häuptlingsbecher oder einen Becher auf den vornehmsten Ahnen handelte.


Bragi enn gamli Boddason (Bragi Boddason der Alte) wirkte im 9. Jahrhundert in Skandinavien (möglicherweise Norwegen) und ist der älteste Skalde, dessen Werk wir heute kennen. Er entwickelte einen eigenen Strophentyp. Bragi als Gott der Dichtkunst erscheint erst sehr spät in der Literatur (im 12./13. Jahrhundert bei Snorri und in der Lokasenna), davor gilt er als Held, der in Walhalla Aufnahme gefunden hat. Es ist wahrscheinlich, daß der verehrte Dichter des 9. Jahrhunderts später vergöttert wurde.